Literatur im Café Museum mit Manfred Baumann: „Hallelujah“

Ein eisiger Wind weht durch die Operngasse, doch drinnen ist es schön warm. Eine Dame blättert in der Zeitung, Kaffeetassen klirren und Weingläser erklingen beim Anstoßen. Das Stimmengewirr der Gäste mischt sich in die typische Geräuschkulisse des Café Museum.

Der festlich geschmückte Christbaum kündet von der Vorweihnachtszeit. In eben dieser Jahreszeit spielen auch die vier Geschichten, die Manfred Baumann in seinem neuen Buch „Maroni, Mord und Hallelujah“ vorstellt.  

Krimi-Autor Manfred Baumann bei seiner Lesung im Café Museum am 2. Dezember.

Manfred Baumann, der Salzburg-Kenner

Die erste Geschichte, rund um den Kommissar Martin Merana, den Baumann-Leser bereits aus vier Vorgänger-Krimis kennen, spielt erneut in Salzburg. Als Mitarbeiter des ORF-Landesstudios und Chef der dortigen Redaktion für Volkskultur kennt der Autor die Stadt und seine Umgebung wie seine Westentasche. „Wenn Salzburg einem Erdbeben zum Opfer fallen würde, würde man die Stadt anhand der Romane eins zu eins wieder aufbauen können“, meint auch Schriftsteller Andreas Pittler in seinen einleitenden Worten. „Ich will aber nicht, dass Sie dort nicht hinfahren, weil sie aus den Büchern schon alles wissen“, ermuntert Baumann dennoch zu einer Salzburg-Reise. 

Das Christkind als Attentäter?

Zu Beginn der Lesung fällt das Mikrofon aus, wovon sich Baumann als langjähriger Moderator und erfahrener Kabarettist aber nicht aus der Fassung bringen lässt. Er versetzt seine Zuhörer mit einem umso lauter gesungenen „Halleee-, Halleee- Hallelujah“ in die Szenerie, in der seine erste Geschichte spielt: in den vorweihnachtlichen Trubel des Christkindlmarktes am Residenzplatz.

Mit viel Humor beschreibt der Autor die Menschen, die sich um diese Jahreszeit in der Salzburger Innenstadt herumtreiben – eine Mischung aus Einheimischen und Touristen (wie „glucksende Italienerinnen, die am Aperolpunsch nippen“), Schaustellern in Engelskostümen und Kindern im Chorgewand. Die sorglose Szenerie wird jedoch plötzlich zerstört, als ein Schuss fällt. Und zwar aus der Pistole des Christkinds! Also, einer Person im Christkind-Kostüm.  

Mit Humor und schauspielerischem Talent zieht der Autor die Zuhörer in seinen Bann.

Zwischen Spannung und Humor

Manfred Baumann überzeugt nicht nur mit einem humorvoll und spannend geschriebenen Buch, er trägt zudem mit viel schauspielerischem Talent vor, gestikuliert viel und imitiert Stimmen wie Dialekte auf authentische und humorvolle Weise: von Salzburgerisch über Bayrisch bis hin zum italienischen Akzent. In den kurzen Pausen, die er zwischen den einzelnen Geschichten einlegt, singt er ungeniert „Leise rieselt der Schnee“ oder „Feliz Navidad“, und allmählich stimmt auch das Publikum mit ein.

Von lokalen Bräuchen am Jahresende

Bewundernswert ist auch sein Wissen um lokale und regionale Bräuche Salzburgs: So beschreibt er im vierten Kurz-Krimi „Raunacht“ – in Anspielung auf die Rauhnächte rund um den Jahreswechsel – unter anderem das „Lösseln in der Thomasnacht“, einen Pongauer Brauch… freilich auch diesmal wieder in Zusammenhang mit einem Mordfall. Und am Höhepunkt der Spannung hüpft Baumann auf und singt ein letztes Mal „Halleee-, Halleee-, Hallelujah“. Und laut wie der Gesang tönt dann auch der Applaus durch die weihnachtlich geschmückten Räumlichkeiten des Café Museum. 

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